Mirka

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Meine Zeit mit Mirka

Weil ich oft den Anfragen aus Griechenland  abgesagt hatte Hunde aufzunehmen, dachte ich damals ich müsse mal wieder zusagen und suchte 4 Hunde von Bildern aus, von denen ich meinte, dass sie eine Chance auf  Vermittlung hätten.

Das waren Ben, Diego, Jessy und eine schwarze Hündin.

Am 14.4.08 kamen dann die 4 Hunde aus Griechenland (Peloponnes). Alle waren total verängstigt, wollten sich nicht anfassen lassen und eine Hündin war offensichtlich vertauscht worden – das war Mirka – ein Häufchen Elend!   



Mirka kam anstelle der schwarzen Hündin. Ich schaute noch mal die vorher geschickten Bilder durch, aber dort war sie gar nicht drauf.

Jetzt war sie da und den Namen bekam sie wegen der Bedeutung – Mirka - Die Friedliche.

Ich erfuhr, dass sie in Griechenland an einer kurzen Kette lebte im eigenen Dreck stand und  auch noch geschlagen und mit Steinen beworfen wurde.

Sie hatte auch bestimmt schon oft Junge gehabt, die man ihr mit Sicherheit wegnahm und getötet hatte.

Bei der tierärztlichen Untersuchung stellte sich heraus, dass sie Ehrlichiose (ein von Zecken übertragenen Krankheit) hatte und wahrscheinlich nicht mehr lange überlebt hätte und außerdem beidseits einen schweren Leistenbruch (wurde später zusammen mit der Kastration operiert) und den grauen Star.

Nach nicht all zu langer Zeit  waren alle 4 soweit, das man den Ersten Spaziergang wagen konnte und Mirka machte das gar nicht schlecht und nach ein paar Mal fand sie es ganz lustig – zumindest bei uns auf dem Damm galoppierte sie schon an der 10 m Leine.

Bei Begegnungen mit Fahrrädern und fremden Menschen wurde sie allerdings sehr ängstlich bis panisch aber händelbar.

Irgendwann interessierte sich ein junger  Mann für Mirka. Mirka mochte zwar nicht, dass er sie anfasst und schaute immer weg aber sie lief mit ihm mit. Er kam bestimmt 4 - 5 Wochen fast täglich und dann nahm er sie mit.

Nach 5 Tagen rief er an und sagte er müsse sie wieder bringen – Mirka würde nur schlafen, nichts fressen und trinken und machte auch nur einmal täglich ihr Geschäft.

Als sie wieder in ihrem Zimmer bei Ben war stürzte sie sich sofort auf die Wasserschüssel und trank und danach fraß sie erstmal eine ordentliche Portion.

Nur – sie wollte nicht mehr aus dem Haus und auch im Auslauf fühlte sie sich nicht mehr sicher!

Mirka war total verändert – absolut panisch und draußen fast nicht ansprechbar. Was tatsächlich passiert ist wissen wir nicht und werden es wahrscheinlich auch nie erfahren. Evt wirklich nur eine starke Depression von der sie sich nicht wieder erholt hat – zumindest hoffen wir das.

Unsere Ehrenamtliche Helferin, die Mirka auch schon vor der Vermittlung betreut hatte  versuchte alles – komplett alleine laufen, mit anderen Hunden, mit ihren besten Freunden – nichts half. Sie konnte noch nicht mal ihre Toilettengänge erledigen und man konnte sie, wenn ihr jemand entgegen kam fast nicht mehr halten.

Ich traf mich mit einem Hundetrainer und auch er war entsetzt in welchem Zustand sie war und wir machten ein supersoftes Leineführspiel, einfach damit sie auf uns reagierte und sich uns anschloss.

Leider wurde es nicht besser und ich traf mit ihr eine Abmachung – ich zwinge sie zu ihrem Glück und wenn es nach 2 Woche nicht besser wird braucht sie nicht mehr aus dem Haus.

Und so fingen wir an, und bei dem ersten Hysterischen Ausraster vor der Brücke kam es zu unserem ersten Kampf den ich auch gewann und Mirka mich anschaute und sich neben mich setzte.

Als ich am nächsten Tag kam war sie verändert – viel ruhiger und Vertrauensvoller. Das machte Mut und unser gemeinsamer Weg begann.

Das Leineführspiel wurde von meiner Seite aus richtig fordernd und sie konnte es annehmen und ich hatte den Eindruck, dass  sie aufatmete und ihr die Führung sehr angenehm war. Sie konnte nach einiger Zeit sogar wieder draußen ihr Geschäft verrichten und wir nahmen sie mit, wenn wir mit den andern zwei ängstlichen Hündinnen aus ihrem Zimmer – Sindy und Jessy  spazieren gingen. Es war immer stressig und anstrengend für uns aber es wurde sichtlich besser und nach dem ersten Schnee im Winter 08 fing sie an glücklich durch den Schnee zu galoppieren – wir konnte es kaum fassen, es war einfach unglaublich!

Ab der Zeit war es für Mirka die schönste Stunde des Tages wenn wir mit   den „3 Mädels aus Zi 6“ laufen gingen. Immer nur bis zu einem bestimmten Punkt und dann schnell umdrehen und doch sehr hektisch zurück aber immerhin.

Bis zum Sommer 09 schafften wir es auch schon über die Strasse in die Felder. Kam uns jemand entgegen, brauchte man immer noch Bärenkräfte um sie zu halten bis ich das auch mal mit ihr alleine klärte und sie zwang auf mich zu achten und neben mir zu laufen.

Sindy und Jessy machten schneller Fortschritte und wir fuhren an eine Stelle wo rechts ein Zaun und links die Alb ist und ließen die beiden frei laufen. Es war einfach nur toll zu sehen wie es zumindest Sindy ausnutze und endlich mal richtig rennen konnte.

                Über die Homepage der Tierfreunde Kreta meldete sich für Mirka ein Ehepaar, das in der Nähe von Karlsruhe wohnt und noch 2 Rüden aus Kreta hat. Sie hatten das Bild von Mirka gesehen und es hatte sie sofort berührt, auch weil es ihrer verstobenen Hündin ähnlich sah.

Sie kamen ca 1 x pro Woche und brachten Hühnchenfleisch mit aber sie waren für Mirka natürlich Fremde und das ganze war nicht wirklich erfolgversprechend aber sie gaben nicht auf und so schlug ich vor, dass sie + dem aufgeschlossenen Hund Georgo mit uns laufen gehen sollte, damit Mirka evt über den Hund Vertrauen bekommt. Aber auch das brachte nicht wirklich viel und so fuhr ich mit Mirka zu ihnen nach Hause um zu sehen wie sie sich dort benimmt.

Mirka lief mir in der Wohnung einfach hinterher und nahm auch gerne den angebotenen  Käse worüber die beiden schon hellauf begeistert waren ;-) und legte sich auch sehr entspannt neben die Couch.

Das ganze wiederholten wir noch mal und ich ging auch dort mit Ihnen und meinem Hund – den sie ja kannte laufen. Das klappte wirklich gut, da es dort ja auch ziemlich einsam ist und wir den Wald für uns alleine hatten.



In der Zwischenzeit bei uns :

Ein paar Wochen nachdem wir Jessy uns Sindy frei laufen ließen  fasste sich auch Jessy ein Herz und rannte mal mit.

Und dann klickte es plötzlich bei Mirka! Sie wollte mit!

Sie nutze ihre ganzen 15 m Leine und gab Vollgas – den Damm runter hoch – runter hoch – es war wirklich  ergreifend zu sehen wie dieser traumatisierte Hund das Leben entdeckte – wahrscheinlich das Erste Mal in ihrem Leben!

Eines Tages ließ ich die Leine los und dann gings erst richtig los. Sie rannte mit Vollgas los hinter Sindy her und kam genauso schnell wieder zu mir zurück und setzte sich vor mich hin um sich ihr Leckerli abzuholen. Jeden Tag fröhlicher und kraftvoller.

Wir waren alle wirklich berührt und freuten uns so für sie.


In der Begegnungsstätte war sie jetzt auch total ausgewechselt sie begrüßte mich täglich fröhlicher, genoss die Streicheleinheiten, fing sogar ab und zu an mit einem Futterbeutel loszurennen und ihn aufreißen zu wollen, bekam eines Tages im Auslauf einen Rennanfall – raste um die Baumgruppe, rein in ihr Zimmer,  dann wieder raus, zu mir holte sich ein Leckerli und dann wieder rein ins Zimmer.

Bis Ende des Jahres machte sie schon richtig mit wenn wir mit den andern beiden Mädels – Sindy und Jessy Sitz, Platz und  Fuß übten und auch kleine Sprünge machten - es war einfach toll!!    „Zimmer 6 „ war jetzt eine Einheit und immer zusammen.


 

Bei den Spaziergängen an der Miro lief sie jetzt regelmäßig frei und sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht alle zusammen zu halten und zu hüten. So raste sie den Damm runter rempelte einen an und raste wieder zu mir und ließ sich dafür loben – sie war super stolz und nahm ihre Aufgabe immer ernster.


In punkto Vermittlung war die nächste Stufe, dass sie Mirka alleine abholten und abends wieder bringen sollten, ich fuhr dann nur zum laufen hin- das ging auch ganz gut.

Dann kam - abholen selber laufen und abends bringen – ging auch erstaunlich gut, aber Mirka konnte noch nicht trinken und auch nicht aufs Klo gehen – das war aber die Bedingung damit Sie sie übernehmen konnten.

So ging das fast jeden Sonntag bis Dezember 09 und dann kam der Tag, wo sie Mirka auf einer Wiese raus ließen und Mirka sich tatsächlich hinsetzte um zu pinkeln. Tja, jetzt wurde es ernst und ich merkte, dass es mir das Erste Mal seit ich in der Begegnungsstätte war schwer fiel einen Hund gehen zu lassen.

Mirka ist einfach was Besonderes und mitzuerleben wie ein Hund zurück ins Leben springt ist nur schön.

Nach Neujahr war es dann ganz schnell  entschieden – Sie wollten Mirka übernehmen.

Zum Abschied riss mir Mirka Handschuhe und Decken aus der Hand, machte Zerrspiele und schmiss sich auf den Rücken um sich den Bauch streicheln zu lassen.

Jetzt ist sie in ihrem neuen Zuhause und alle sind glücklich und unsere Mirka ist der absolute Mittelpunkt–

ein Hundedrama mit MegaHappy End!  :-)))

Viielen Dank an alle die bei Mirkas Rehabilitation mitgeholfen haben!





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